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ATP Finals 2021: Zverev triumphiert!

Deutschlands Nr. 1 krönt starkes Jahr mit Titel zum Abschluss

Der Matchball zum WM-Sieg lag nur ein paar Minuten zurück, da begann für Alexander Zverev auch schon der lange Stafettenlauf bei Presse, Funk und Fernsehen. Mehr als zwei Stunden dauerte noch einmal das Frage-und-Antwort-Spiel auf dem Centre Court und in den Katakomben des „Pala Alpitour“ in Turin, und Zverev, der deutsche Champion, zeigte sich dabei genau so hellwach, konzentriert und entschlossen wie bei seinem Triumph gegen Freund und Gegenspieler Daniil Medwedew zuvor. Viel, sehr viel habe er 2021 erreicht, sagte Zverev, „aber 2022 soll noch mal besser werden.“ Und die Ziele: Platz eins und ein Grand Slam-Sieg? „Richtig“, sagte Zverev, „genau das.“ Was ihn so sicher mache, das zu schaffen? „Ich weiß“, so Zverev, „dass ich bereit dafür bin. Mehr denn je.“ Und nun erst mal abschalten im Urlaub auf den Malediven? „Ein paar Tage vielleicht, dann will ich schon mit der Vorbereitung für die nächste Saison beginnen.“

Tatsächlich ist Zverev, der sich am Finalwochende 2021 erst über den Branchenkönig Djokovic und dann über dessen angestammten Kronprinzen Medwedew hinweggesetzt hatte zum WM-Titel, der beste und auch gierigste Zverev, den es je gab. Zverev wirkte auf den letzten Metern des Championats von Turin wie einer, der das Ur- und Grundvertrauen in seine Qualitäten hat. Der mit einer Gewißheit spielte, für alles und jeden Gegner eine Lösung finden zu können. „Als Profi habe ich mich noch nie so gut gefühlt wie jetzt“, sagte der 24-jährige Hamburger, der in der abgelaufenen Toursaison alle sechs Finalmatches gewann und die meisten Pokale unter allen hochkarätigen Bewerbern einstrich. 

Als Zverev vor drei Jahren schon einmal die Weltmeisterschaft gewann, das Saisonfinale der acht Besten, war es eher ein Überraschungscoup – trotz aller Qualitäten und Talente, die der Hochbegabte besitzt. 2021 aber gibt es keine Verblüffung mehr über den Deutschen, der sich fest in der Elitegruppe seines Sports etabliert hat. Umso mehr nach seinem Olympiasieg, der wie ein Befreiungsakt und Beruhigungsmittel zugleich wirkte. Zverev ging nach dem ersten ganz großen Erfolg mit noch größerer Souveränität ans Hand-Werk, erschien zudem noch motivierter und hungriger auf weitere Lorbeeren auf auserlesenen Tennisbühnen.

Dem WM-Sieg von 2018 folgte ein Tennisjahr der Turbulenzen, eine Krise auch im Team Zverev. Der junge Weltmeister verkrachte sich mit Manager Patricio Apey, im Herbst 2019 folgte der Abgang von Starcoach Ivan Lendl. Auf den Centre Courts hinterließ das Kulissentheater seine Spuren, nur ein magerer Titel beim kleinen ATP-Turnier in Genf sprang für Zverev heraus. Ähnliches Wirrwarr liegt in diesen Tagen in weiter Ferne: Auf der Suche nach dem idealen Umfeld ist Zverev bei den vertrauten Gesichtern der Familie und engsten Freunden angekommen, Vater Alexander und Bruder Mischa lenken im wesentlichen die Geschicke. „Es schafft ein Gefühl der Sicherheit, wenn ich mit Menschen arbeite, denen ich total vertrauen kann“, sagt Zverev.

Bruder Mischa ist wie Vater Alexander ein unnachgiebiger Kritiker des neuen deutschen Tennis-Weltstars. Aber wie sein kleiner Bruder sich innerhalb von 20 Stunden am Samstag und Sonntag zur Doppel-Weltmeisterschaft spielte, war auch für ihn eine Offenbarung. „Man hat wirklich gespürt, wie er als Profi gewachsen ist. Wie er das ganze Paket auf den Platz bringt“, so der 34-jährige, „ich habe die Matches einfach mal genossen.“ Manchmal wirkte es bei dem jüngeren Zverev-Bruder, als habe er Anleihen bei dem älteren Mischa genommen – mit der zugewonnenen Variationsbreite in seinem Spiel, mit der taktischen Klarheit. Mit der Qualität, Energien zu dosieren. Mit der Qualität, den Gegner regelmäßig im Unklaren über die eigenen Absichten zu lassen. „Richtig klug“ habe Sascha gespielt, so Bruder Mischa, „dieses Turnier war noch mal ein großer Schritt nach vorn für ihn.“

Noch von Mailand ging es für Weltmeister Zverev am Montag ab in den Urlaub. Eine Menge Freunde kämen mit auf die Malediven, man werde „viel Blödsinn machen, nichts Gefährliches“, man müsse sich keine Sorge machen. Aber vom Tennis wird Zverev in Wahrheit auch weit weg, an seinem exotischen Ferienziel, nicht loskommen. Er weiß es auch selbst: „In meinem Kopf steckt drin, dass ich alles dafür tun werde, die Nummer eins zu werden. Und einen Grand Slam-Titel zu gewinnen.“ Im Dezember könnte man ihn im übrigen in Deutschland wiedersehen, kurz vor Weihnachten: Dann steht die Wahl zum „Sportler des Jahres“ an.

Autor: Jörg Allmeroth

24.11.2021

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