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Deutsche Jugendmeisterschaften 2018 in Ludwigshafen

Nordhessin Pauline Bruns gewinnt die Konkurrenz der U13

Barbara Rittner ist neuerdings auch als TV-Expertin für Eurosport im Einsatz. In Paris, bei den French Open, hatte sie ihre ersten souveränen Auftritte, am Mikrofon und vor der Kamera. Doch Mitte letzter Woche gab es noch Wichtigeres zu tun, da musste die Architektin des neuen deutschen Tennis-Fräuleinwunders und Abteilungsleiterin des DTB („Head of Womens Tennis“) zurück zu den Deutschen Jugendmeisterschaften nach Ludwigshafen, es ist seit jeher ein Pflichttermin für die ehemalige Profispielerin aus Leverkusen.

Und unter all den hoffnungsfrohen Talenten gab es da auch ein Mädchen aus Nordhessen für Rittner zu sehen – und auch ein bisschen zu bestaunen: Die junge Gilserbergerin Pauline Bruns, die am Samstag nicht nur ihren 13. Geburtstag feierte, sondern auch den Turniersieg in der Altersklasse U13 – eine Punktlandung, fast zu schön, um wahr zu sein. „Es war ein mega Gefühl“, sagt Pauline, die inzwischen für die SGT Baunatal startet, „ich hatte eine ganz schwere Auslosung, aber ich habe mich richtig gut durchgebissen.“ Im Endspiel schlug sie ihre Freundin Ella Riedel aus Hamburg, gemeinsam mit Ella gab es dann auch noch die Vizemeisterschaft im Doppel.

Rittner, die aufmerksame Beobachterin, verteilte anschließend lobende Worte: „Pauline ist ein sehr fleißiges und schon sehr strukturiertes Mädchen“, so die langjährige Fed Cup-Chefin, „sie bringt auch den Ehrgeiz mit, den es braucht.“ Pauline erinnere sie unglaublich an die junge Antonia Lottner, „groß und schlank, wie auch sie ist“ – Lottner (21), dies zur Erklärung, war mal Finalistin im Juniorinnenwettbewerb der French Open und schaffte nach wechselvollen Jahren den Vorstoß in die erweiterte internationale Spitze. Im Moment steht sie auf Platz 148 der Weltrangliste. Aber Rittner meinte vor allem die Optik, das Erscheinungsbild, sie weiß, dass Karrieren und Lebenslinien nicht zu vergleichen sind. Es kann viel passieren. Oft kommt alles anders als man denkt. Aber einiges ist schon mal einfacher, sagt Rittner, „wenn der Biss und der Wille da ist“. So wie auch bei Pauline: „Man merkt ihr an, dass sie will. Ohne es zu übertreiben. 

Man darf auch getrost sagen, dass die Einser-Schülerin aus der Schwalm über eine starke Psyche verfügt, über die Mentalität, gewisse Rückschläge wegzustecken. Vor den Deutschen Meisterschaften hatte sie für den DTB an einem Einladungsturnier in Paris teilgenommen („Longines Future Tennis Aces“) und war knapp in den Gruppenspielen gescheitert. Sie fand, sie habe „nicht das gezeigt, was mich sonst stark macht“ – zum Beispiel, nach Rückstand ein Spiel umzubiegen. Sie verpasste auch die Chance, zum Ende des Turniers gemeinsam mit Steffi Graf ein paar Ballwechsel auf dem Platz zu spielen, die Legende war als Ehrengast angereist. Es gab aber immerhin ein Gruppenfoto mit ihr, der 22-maligen Championesse bei Grand Slams.

Schon zwei Tage später ging - im hektischen Terminkalender des Toptalents - der Titelkampf in Ludwigshafen los, es ist eine Traditionsstätte für diese Meisterschaften, der Ausgangspunkt für manch bemerkenswerte Laufbahn. Und „Pauli“ zeigte schnell wieder ihre gewohnten Qualitäten, Comebacks in Matches, in denen sie in Bedrängnis geraten und in die roten Zahlen gerutscht war. Sie ließ nie locker, nie nach, bis zu jenem Moment, da der größte Moment in ihrem jungen Tennisleben perfekt war, die Deutsche U13-Meisterschaft, der doppelte Feier-Tag. Die 13 war damit erst mal eine Glückszahl. Was sie auszeichne als Spielerin, die junge Pauline, beschrieb Rittner später auch noch so: „Sie kann ruhig bleiben, wenn es nicht läuft. Sie verliert nicht ihre Ordnung. Das ist eine echte Qualität.“

11.06.2018

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